Sophie Krüger, Expertin für Trauerbegleitung in Hamburg.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2025
Sophie Krüger, Expertin für die Trauerbegleitung in Hamburg.

Sophie Stender begann am 1. August 2016 ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Seitdem hat sie viel erlebt und gelernt. Für Seelenleben berichtet Sie hier aus ihrem Arbeitsalltag.

Ich bin Sophie Stender, 24 Jahre alt und seit einem Jahr ausge­lernte Bestattungsfach kraft.
Meine dreijährige Ausbildung habe ich bei Krüger Bestattun­gen in Hamburg-Lohbrügge ab­solviert.

Kein Tag glich dem anderen, kein Sterbefall einem anderen.

Das besondere an meinem Beruf ist, dass ich als Bestatterin täglich mit Men­schen in Trauer zusammen ar­beite. Jeder und jede hat seine ganz eigene Geschichte aus dem Leben, mit dem Thema Tod und auch mit der/dem Ver­storbenen.

So habe ich in meinen vier Jah­ren im Bestattungsinstitut viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und einiges er­lebt.

Als Bestatterin bin ich nicht nur die Ansprechpartnerin in einer Trauersituation, ich selbst bin auch ein Mensch mit Gefühlen. So gibt es Sterbefälle, die ich gedanklich mit nach Hause neh­me und manchmal sogar wel­che, die mich für eine längere Zeit nicht mehr loslassen.

Es war in meinem ersten Lehrjahr

Es war in meinem ersten Lehrjahr, als für mich et­was Unbegreifliches geschah. Am 1. Mai 2017 – Tag der Arbeit, also Feiertag- woll­te ich gerade in meiner WG frühstücken als ich noch einen kurzen Blick in den Firmenka­lender auf meinem Handy warf. Ich sah einen Termin für ein Trauergespräch, darunter der Name des Verstorbenen.­

Mein ganzer Körper zitterte. Nein, das konnte nicht sein. Ich rief meine Mutter an und las ihr vor, was ich dort gelesen hatte.

Auch sie sagte, dass es keinen Zweifel gäbe. Der Verstorbene war der 30- jährige Bruder ei­ner engen Freundin meiner Fa­milie. Das riss mir in dem Moment den Boden unter den Füßen weg.

Am Dienstag bei der Arbeit hatte ich dann die Gewissheit. Es handelte sich tatsächlich um den Bruder meiner Freundin. Er war in Bremen, wo er wohn­te, in der Nacht verstorben. Ich war hin und hergerissen, ob ich mich damit weiter auseinander­setzen sollte und wollte, oder ob ich alles meinen Kollegen*in­nen überlassen sollte.

Doch es kam wie immer anders.

Ich fuhr mit meiner Kollegin am Freitag nach Bremen, um ihn aus dem Krankenhaus nach Hamburg zu überführen. Mir war die ganze Fahrt schlecht und ich war unglaublich aufge­regt.

eine rot-weiße Rose

Zurück in Hamburg haben wir ihn gemeinsam angezogen und für den Abschied durch die Familie vorbereitet. Ich konnte nicht alleine mit ihm in einem Raum sein, weil für mich die Si­tuation unbegreiflich war. Er sollte da nicht in einem Sarg lie­gen, das passte einfach nicht.

Zur Trauerfeier wurde ich in der Berufsschule freigestellt. Sie fand auf einer Wiese an der Elbe unter freiem Himmel statt. Mein Va­ter, der ihn schon konfirmiert hatte, hielt eine von drei Trau­erreden.

Es war eine schöne Trauerfeier, die voller Liebe und zugleich voll unheimlicher Trauer war. Diesen Tod konnte niemand begreifen. Nach der Feier be­kam jeder von uns eine Schwimmkerze und wir ließen diese in einem Wasserbecken schwimmen.

Als Bestatterin habe ich jeden Tag mit Sterbefäl­len zu tun, doch niemals kann man das mit einem Ster­befall vergleichen, bei dem man selbst betroffen ist. Ich bekom­me oft gesagt, dass man als Be­statterin doch weiß, wie man sich verhält und was zu tun sei.

Vielleicht weiß man das in der Theorie, doch wenn man selbst als Trauern­de/r betroffen ist, ändert das einfach alles. Im Jahr 2017 sind noch zwei weitere Menschen aus meinem näheren Umfeld verstorben. Ich habe einen großen Schmerz empfunden und glaube heute, dass ich die Men­schen, die ich täglich bei der Ar­beit erlebe, besser verstehen kann und ihren Schmerz ehrli­cher nachempfinden kann.

Der Schmerz, den man erlebt, wenn ein gelieb­ter Mensch stirbt, mit keinem anderen Schmerz zu vergleichen.

Diese Erfahrungen haben mich reifer gemacht und helfen mir im Alltag mit den Menschen und auch den Verstorben.

Sophie Krüger, Expertin für die Trauerbegleitung in Hamburg.

Sophie Stender
Bestatterin

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