
Bereits im Artikel “Trends: Die Ökologische Bestattung” haben wir dem Thema der ökologischen Bestattung einen Artikel gewidmet. Trotzdem greifen wir es hier erneut auf, da uns der Klimawandel alle betrifft. Wir versuchen, in vielen Lebensbereichen nachhaltiger zu leben – warum also nicht auch darüber nachdenken, wie wir diese Welt möglichst grün verlassen? Die Natur ist ein Kreislauf von Werden und Vergehen.
Durch unsere moderne Lebensweise stellen wir uns jedoch gegen diesen Kreislauf. Wir müssen also wieder lernen, die Gesetze der Natur für uns zu nutzen. In den letzten Jahren gab es hierzu einige spannende Entwicklungen.

Nachhaltige Urnen: Die Kohleurne
Biologisch abbaubare Urnen gibt es bereits mehrere Jahre. Sie bestehen in der Regel aus einem Stoff namens „Lignin“. Hierbei handelt es sich um sogenannten Biokunststoff aus Nadelholz. Es ist ein Abfallprodukt, welches bei der Papierherstellung anfällt.
Biournen sind in der Regel sogenannte Schmuckurnen, welche die Aschekapsel aus dem Krematorium aufnehmen. Die Aschekapseln bestehen mittlerweile ebenfalls aus Lignin.
Die Hersteller der Kohleurne denken den Nachhaltigkeitsgedanken konsequent weiter. Die Urne wird aus Buchenholzkohle gefertigt.
Hierbei können aus einer Buche über 2700 Urnen hergestellt werden.
Die Kohle wird in Form gebracht und mit einem natürlichen Bindemittel versetzt. Wird die Urne beigesetzt, so löst sich das Bindemittel und mit ihr die Urne nach einiger Zeit auf. Auf die Aschekapsel kann bei dieser Urne verzichtet werden. Die Asche wird direkt in die Kohleurne gegeben.

Die Farbe der Urne ist durch den eingesetzten Rohstoff auf Schwarz beschränkt. Durch individuelle Applikationen kann das Design der Urne jedoch vielfältig angepasst werden. Auch hierbei achtet der Hersteller auf biologisch abbaubare Materialien wie Pappe und Trockenblumen.
Edelzweig: Urnen aus Baumrinde
Die Firma Edelzweig aus Österreich hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, Urnen mit einer möglichst guten ökologischen Bilanz herzustellen. Die Idee: Urnen aus bisher ungenutzten Rohstoffen. In Sägewerken fallen Baumrinde und Stammabschnitte als Nebenprodukte an, die bislang meist verbrannt wurden. Die Gründer von Edelzweig geben diesen Rohstoffen eine neue Verwendung. Dadurch entstehen Urnen mit einer einzigartigen Optik und Haptik sowie einem Geruch, der an einen Waldspaziergang erinnert.
Nachhaltiger Sarg: Der Loop Living Cocoon
Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, was es mit dem Bild auf der Titelseite auf sich hat. Dass es sich um einen Sarg handelt, kann man erkennen. Und doch sieht dieser Sarg sehr anders aus als klassische Holzsärge.
Särge müssen in Deutschland seit Langem bestimmte Anforderungen erfüllen. Sie sollen abbaubar sein, aus Vollholz bestehen und dürfen nur mit wasserlöslichen Lacken bearbeitet werden. Trotzdem gibt es nur sehr wenige vollständig abbaubare Särge. Zum einen bestehen die Beschläge häufig aus unvergänglichem Metall, zum anderen werden beim Zusammenbau meist Metallnägel und -schrauben verwendet. Darüber hinaus werden für den Sargbau Bäume abgeholzt. Anschließend legt das Holz teilweise sehr lange Transportwege zurück, bevor es zu einem Sarg verarbeitet wird.
Der Sarg wiederum sorgt dafür, dass der tote Körper von den ihn umgebenden Mikroorganismen abgeschottet wird.
Entscheidet man sich alternativ für eine Feuerbestattung, wird der Körper verbrannt und die entstehenden Schadstoffe werden gefiltert. Dabei fällt jedoch sehr viel Abfall an, der als Sondermüll entsorgt werden muss.
Der Niederländer Bob Hendrikx hat sich daher die Frage gestellt, wie wir die Natur nutzen können, um unsere Körper nach dem Tod wieder in den Kreislauf von Werden und Vergehen zurückzuführen. Seine Lösung ist der Loop Living Cocoon – ein „lebendiger“ Sarg aus Pilzmyzelien. Dabei handelt es sich um den meist unsichtbaren Teil von Pilzen, der unterirdisch weitverzweigte Netzwerke bildet. Dieses Geflecht ist in der Lage, Schadstoffe aus dem Körper zu filtern und zu neutralisieren, während Nährstoffe an die Natur abgegeben werden. Unter der Erde vergeht der Sarg innerhalb von etwa 45 Tagen. Die im Sarg enthaltenen Bakterien und Mikroorganismen neutralisieren Giftstoffe und regen die Zersetzung des Körpers an.

Das Innere des Sarges ist mit einem weichen Moosbett ausgekleidet, in das der verstorbene Mensch gebettet wird.
Die Herstellung dieses Sarges unterscheidet sich grundlegend von der eines traditionellen Holzsarges. Die Myzelien wachsen in einer Form, die mit Holzspänen gefüllt ist. Nach etwa sieben Tagen füllt das Myzel die gesamte Form aus. Anschließend wird es getrocknet, wodurch das Wachstum gestoppt wird.
Der Sarg ist dabei so stabil, dass er ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm tragen kann.
In den deutschen Bestattungsgesetzen – jedes Bundesland hat hier eigene Regelungen – sind für Erdbestattungen meist Vollholzsärge vorgeschrieben. Langsam findet jedoch auch hier ein Umdenken statt. So hat auf dem Ohlsdorfer Friedhof bereits eine Erdbestattung in einem Myzelsarg stattgefunden.
Neue Bestattungsart: Die “Reerdigung”
Sie haben sich nicht verlesen: In der Überschrift steht tatsächlich „Reerdigung“. Der Begriff ist eine Wortschöpfung des Anbieters „Meine Erde“ aus Berlin. Er soll die Rückkehr in die Erde mit dem gesamten Prozess der Beerdigung verbinden. Doch worum handelt es sich bei der Reerdigung? Kurz gesagt: um eine neue Bestattungsart. Dabei wird der Körper des verstorbenen Menschen in einen sogenannten Kokon gebettet, in dem die Zersetzung zu Humus stattfindet. Dieser Vorgang dauert etwa 40 Tage.

Die Erde kann anschließend in einem Grab auf einem Friedhof beigesetzt werden.
Die Reerdigung hat gegenüber der Feuer- und Erdbestattung mehrere Vorteile:
Der Körper wird dem natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen nicht entzogen, sondern in Erde zurückverwandelt. Dies geschieht deutlich schneller als bei einer klassischen Erdbestattung. Dafür sorgen die klimatischen Verhältnisse im Inneren des Kokons. Diese kontrollierte Umgebung ermöglicht, dass die Umwandlung nur etwa 40 Tage dauert, statt mehrere Jahre in Anspruch zu nehmen.
Im Vergleich zur Feuerbestattung soll zudem rund eine Tonne CO₂ pro Reerdigung eingespart werden.
Durch die Umwandlungsprozesse im Kokon entstehen Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius. Dadurch werden Krankheitserreger und Schadstoffe abgebaut, sodass ausschließlich unbedenklicher Humus auf dem Friedhof verbleibt.
Rechtlich müssen in Deutschland für die Reerdigung schrittweise die entsprechenden Grundlagen geschaffen werden. In Mölln hat die erste Reerdigung stattgefunden. Es bleibt spannend, ob und wie schnell die Friedhofsträger bereit sein werden, ihre Satzungen anzupassen. Bisher ist es so, dass für die entstehende Erde ein Grab mit voller Laufzeit von 25 Jahren oder mehr erworben werden muss. Was bei einer klassischen Erdbestattung sinnvoll ist, erscheint bei der Beisetzung von Erde zumindest überdenkenswert.
Andererseits dürfen die Kokons zur Umwandlung der Körper ausschließlich auf Friedhöfen aufgestellt werden. Ob dies für die Friedhofsträger auch eine Möglichkeit darstellt, entstehende Gebühren wieder aufzufangen, bleibt abzuwarten. Wir sind gespannt.
Unabhängig davon handelt es sich um eine spannende Entwicklung im Bereich der Bestattungen. Über viele Jahre hinweg gab es in Deutschland ausschließlich die Erd- und Feuerbestattung. Auch See- und Waldbestattungen sind letztlich Formen der Feuerbestattung.
Mit der Reerdigung entsteht erstmals eine tatsächlich neue Form der Beisetzung. Gleichzeitig soll dadurch der CO₂-Verbrauch gesenkt und die Belastung des Bodens durch Schadstoffe reduziert werden. Wie viel CO₂ tatsächlich eingespart wird, dazu liegen bislang jedoch noch keine verlässlichen Studien vor.
Wenn Sie sich für diese Bestattungsart interessieren, finden Sie im Infokasten unten die Kontaktdaten des Anbieters „Meine Erde“.
MEINE-ERDE.de
ist ein Angebot der Circulum Vitae GmbH: Circulum Vitae GmbH
Hobrechtstraße 65, Hinterhaus
12047 Berlin
www.meine-erde.de

Timo Krüger
Geschäftsführer, Bestattungsfachkraft, Beratungen, Trauerfeiern
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